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Schmalblättriges Weidenröschen

(Epilobium angustifolium)

Wald-Weidenröschen, Männerkraut, Feuerkraut, Trümmerblume, Frauenhaar – Nachtkerzengewächs (Onagraceae)

Verwendung in der Naturheilkunde

Traditionell wird in Russland Tee aus den fermentierten Blättern des Schmalblättrigen Weidenröschens als stärkendes Mittel getrunken. Er wird Iwans Chai genannt und dient als Ersatz für Schwarztee, dem er im Geschmack ähnlich ist.

Das in der Naturheilkunde am meisten verwendete Weidenröschen ist das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum). Das Schmalblättrige Weidenröschen kann jedoch laut einigen Autoren in ähnlicher Weise eingesetzt werden.

In der Volksmedizin wurden beide Weidenröschenarten bei gutartigen Vergrösserungen oder Entzündungen der Prostata verwendet. Deshalb werden sie oft auch als Männerkraut bezeichnet. Aber auch Frauen können von den Pflanzen profitieren. Beispielsweise können sie bei chronischer Reizblase oder Blasenentzündungen hilfreich sein, da sie harntreibend wirken und dadurch die Harnwege, die Blase und die Nieren anregen können.

Das Weidenröschen enthält unter anderem Schleimstoffe, die zusammen mit dem enthaltenen Vitamin C bei Erkältungen eine synergistische Wirkung entfalten können. Das Vitamin C unterstützt das Immunsystem, während die Schleimstoffe bei Reizhusten und entzündeten Schleimhäuten in Mund und Rachen lindernd wirken können. Zudem können sie auch bei Reizungen im Magen-Darm-Bereich zur Beruhigung beitragen.

Ausserdem kann das schmalblättrige Weidenröschen durch die enthaltenen Gerbstoffe eine zusammenziehende Wirkung entfalten, was die Wundheilung fördern, Blutungen hemmen und gegen Durchfall helfen kann.

  • Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.

Verwendung in der Küche

Im Frühling kann man die geschälten und gesäuberten Wurzeln des Schmalblättrigen Weidenröschens ernten und roh essen oder gekocht als Gemüse zubereiten. Zudem können sie zu Mehl verarbeitet werden oder ergeben geröstet einen leckeren Kaffeeersatz.
Die jungen Blätter und Triebspitzen können roh im Salat oder gekocht als Gemüse verwendet werden. Junge Stängel können geschält direkt roh verzehrt oder wie Spargel zubereitet werden.

Die zart violetten Blüten und Blütenknospen des Weidenröschens sind ebenfalls essbar und meist üppig vorhanden. Die Blütenknospen eignen sich besten als rohen Snack oder lassen sich gegart in verschiedenste Gerichte mischen und die Blüten machen jedes Gericht zu einem wahren Augenschmaus. 

Der Sirup, der aus den Blüten des Schmalblättrigen Weidenröschens hergestellt wird, kann je nach Zubereitung und Blütenmenge von zartrosa bis rötlich gefärbt sein. Dafür braucht es jedoch eine Säurequelle, z.B. Zitronen- oder Limettensaft, damit sich die schöne Farbe entfaltet.


Wissenswertes

Das Schmalblättrige Weidenröschen wächst auf der Nordhalbkugel zirkumpolar. Im Alpenraum ist es bis in Höhen von 2000 Metern zu finden und spielt eine wichtige Rolle als Nektarpflanze für bestäubende Insekten wie Bienen und Schmetterlinge.

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist eine typische Pionierpflanze und wächst oft als erste Art, z.B. auf Waldbrandflächen, und wird deshalb auch Feuerkraut genannt. Es war zudem sehr häufig in zerbombten Städten auf Schutthaufen anzutreffen; daher stammt der Name Trümmerblume. In der Natur wächst die Pflanze auf Waldlichtungen, am Wegrand sowie an Seen und Flüssen.

Die Pflanze erreicht oft eine Wuchshöhe von 150 cm oder mehr. Die Laubblätter sind wechselständig am Stängel angeordnet und kurz gestielt. Sie sind schmal lanzettlich (wie der Name der Pflanze vermuten lässt), besitzen eine deutlich ausgeprägte Mittelrippe und einen glatten Blattrand. Die Blüten sind in einem langen, endständigen, traubigen Blütenstand angeordnet. Jede Blüte besitzt vier dunklere, linealische Kelchblätter und vier hellere, breit abgerundete Kronblätter.

Ivan Chai

Sammeln und Fermentieren

  1. Eine beliebige Menge Blätter und Blüten des Weidenröschens sammeln. Den Stängel stehen lassen, so wächst die Pflanze weiter.
  2. Blätter und Blüten waschen und in der Salatschleuder gut trockenschleudern. Dann die Pflanzenteile fest in ein Glas drücken und für 10 – 20 Stunden stehen lassen
  3. Pflanzenteile aus dem Glas nehmen, in eine Glasschüssel geben (keine Metallschüssel verwenden) und von Hand gut durchkneten. So werden die Zellwände der Pflanze aufgebrochen und der Fermentationsprozess kann beginnen.
  4. Die Glasschüssel mit einem feuchten Tuch abdecken und bei Zimmertemperatur 6 – 8 Stunden fermentieren lassen. Die Pflanzenteile schmecken danach leicht süsslich und nicht mehr nach frisch geerntetem Gras.
  5. Die fermentierten Pflanzenteile nun vollständig trocknen. Entweder flach ausgelegt auf einem Backblech an der Sonne oder im Dörrautomaten bei 50 °C. Je nach Menge dauert das ca. 6 – 8 Stunden. 
  6. Wenn alles vollständig getrocknet ist, sieht der fertige Ivan Chai ähnlich wie schwarzer Tee aus.

Lagerung

In einem verschlossenen Glas, dunkel und trocken aufbewahren.

Zubereitung

2 – 3 Teelöffel Ivan Chai in eine Tasse geben (200 ml), mit heissem Wasser aufgiessen und 10 – 15 Minuten ziehen lassen. Blätter abgiessen und den Tee geniessen.

Die Autoren

Dominik Imhof

Dominik Imhof, aufgewachsen in Muotathal, entdeckte früh seine Leidenschaft für Wildpflanzen und Pilze. Nach einer Karriere als Handballspieler und einer Ausbildung zum Elektroingenieur vertiefte er sein Wissen in Ernährung und Gesundheit.

Er absolvierte Ausbildungen zum Fachberater für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen und Wildpilzen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) sowie zum Heilpflanzenfachmann TEN. Heute teilt er seine Expertise in Exkursionen, Workshops und Gruppenevents.

Auf seiner Webseite finden Sie umfassende Informationen zu Wildpflanzen, aussergewöhnlichen Produkten und vielem mehr.

uchruut.ch


Mirko Buri

Mirko Buri kreiert seit 2022 Rezepte für den Kräuternewsletter der EGK. Der ehemalige Gault-Millau-Koch ist Begründer von FOODOO, dem Verarbeiter von aussortiertem Gemüse, das sich im Grosshandel nicht rentabel vermarkten lässt. Vom Food-Waste-Pionier erschienen ist unter anderem das Kochbuch «Restenlos glücklich».

Bis im März 2020 betrieb er mit «Mein Küchenchef» zudem das erste Anti-Food-Waste-Restaurant der Schweiz.

foodoo.world

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