Grosse Brennnessel
Urtica dioica
Brennnessel, Haarnessel, Scharfnessel, Donnernessel, Hanfnessel, Nesselkraut – Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Inhalte im Überblick
Verwendung in der Naturheilkunde
Die Brennnessel wird wie kaum eine andere Pflanze seit Jahrhunderten sowohl als Heilpflanze als auch als essbare Wildpflanze genutzt und geschätzt. Der römische Dichter «Ovid» soll die Brennnesselsamen angeblich schon vor 2‘000 Jahren als Aphrodisiakum beschrieben haben. Im Buch «Alles über Heilpflanzen» schreibt Ursel Bühring: «Plinius (1. Jahrhundert n. Chr.) empfiehlt die Blätter als Gemüse, das ganzjährig vor Krankheit schützt, und den Saft bei Verbrennungen durch die Nessel selbst – eine Art Vorläufer der Homöopathie» (Bühring, 2020, S. 82).
Die Brennnessel soll harntreibend, entzündungshemmend und stoffwechselfördernd wirken. Deshalb wird sie in der Naturheilkunde innerlich zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege, wie beispielsweise Blasenentzündungen, angewendet. Zudem kann sie zur Linderung bei rheumatischen Beschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen oder bei Arthrose beitragen. Auch das Einreiben der Kopfhaut mit Brennnesselauszügen kann bei Haarproblemen unterstützend wirken.
Eine uralte Methode zur Behandlung von Gelenkbeschwerden ist das absichtliche Brennen mit Brennnesseln, was oft als «Peitschen» bezeichnet wird. Durch die Stiche der Brennnessel wird an der betroffenen Stelle die Durchblutung angeregt. Diese durchblutungsfördernde und wärmende Reaktion kann zur Linderung solcher Beschwerden beitragen.
Vorsicht:
Es sollte keine Durchspültherapie mit der Brennnessel bei Herz- und Nierenschwäche durchgeführt werden und sie sollte nicht länger als drei Wochen am Stück eingenommen werden.
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Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.
Verwendung in der Küche
Die Brennnessel ist äusserst vitamin- und nährstoffreich. Der Vitamin-C-Gehalt der Pflanze ist beispielsweise sechsmal so hoch wie der von Zitronen und sie liefert wertvolle Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Eisen. Im Vergleich zu Spinat enthält die Brennnessel ungefähr dreimal so viel Eisen und Calcium pro 100 g Frischpflanze. Deshalb empfiehlt es sich, die Brennnessel in den Speiseplan zu integrieren.
Damit die Brennnessel verzehrt werden kann, müssen ihre Brennhaare unschädlich gemacht werden. Dazu müssen die feinen, glasartigen Spitzen der Brennhaare zerstört werden. Das geschieht, indem man die Blätter erhitzt oder die Brennhaare mechanisch zerstört - beispielsweise durch Dünsten, Kochen oder Mixen. Die Blätter sind anschliessend vielseitig einsetzbar. Nach dem Dünsten können sie wie Spinat verwendet werden und Suppen, Eintöpfe, Reisgerichte oder Aufläufe mit ihrem herb-aromatischen Geschmack verfeinern. Wer die Brennnessel roh verzehren möchte, kann die Brennhaare mit einem Mixer mechanisch zerstören und daraus ein nahrhaftes Pesto zubereiten.
Die Samen der Brennnessel sind ein weiterer wertvoller Bestandteil der Pflanze. Sie enthalten eine grosse Menge Eiweiss und nahrhafte Fettsäuren. Sie befinden sich an den weiblichen Brennnesseln, wo sie an herabhängenden «Kätzchen» wachsen. Ab August können die reifen Samen gesammelt werden und ergeben getrocknet einen nahrhaften, einheimischen Superfood für den kargen Winter.
Wissenswertes
Die Brennnessel ist zweihäusig – das heisst, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die männlichen Pflanzen bilden die Blüten, die weiblichen die Samen.
Die beste Zeit, um die Blätter der Brennnessel zu sammeln, ist März bis Mai, also vor der Bildung der Blüten und Samen. Die Blätter werden am besten mit Handschuhen gesammelt, um vor den Brennhaaren geschützt zu sein. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass sich keine Raupen in den Blättern verstecken und die Pflanze frei von Läusen ist.
Der Gattungsname «Urtica» stammt vom lateinischen «urere», was «brennen» bedeutet.
Die Brennnessel kann auch als Dünger verwendet werden. Dazu wird eine Jauche angesetzt, die zusätzlich Ungeziefer und Blattläuse abschreckt.
Für mehr als dreissig heimische Falterarten, wie zum Beispiel das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs, ist die Brennnessel eine wichtige Futterpflanze für die Raupen.
Literaturverzeichis:
Bühring, U. (2020). Alles über Heilpflanzen. Stoccarda: Eugen Ulmer.
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