Gemeiner Frauenmantel
Alchemilla vulgaris
Frauenmänteli, Marienmänteli, Alchemistenkraut, Frauenheil, Frauentrost, Allerfrauenheil – Rosengewächse (Rosaceae)
Inhalte im Überblick
Verwendung in der Naturheilkunde
Frauenmantel ist in der Naturheilkunde eine der bekanntesten Heilpflanzen für Frauen, aber auch für Männer kann er Vorteile bieten. Der Name «Alchemilla» leitet sich vom Wort «Alchemie» ab und bedeutet «kleine Alchemistin». Die Alchemisten sollen die kleinen Wassertropfen, welche sich auf seinen Blättern bilden, für ihre Elixiere verwendet haben. Der Frauenmantel erhielt seinen Namen, weil die Blätter an die Mäntel von mittelalterlichen Darstellungen der Jungfrau Maria erinnert.
Die enthaltenen Phytohormone ähneln dem weiblichen Sexualhormon Progesteron und können regulierend auf den Hormonhaushalt wirken. Frauenmantel kann sehr vielseitig rund um den weiblichen Zyklus eingesetzt werden - von der Pubertät über die Schwangerschaft bis zu den Wechseljahren. Er kann entkrampfend auf die Gebärmutter wirken, die Milchbildung nach der Geburt fördern, Unterleibsschmerzen wie Menstruationskrämpfe lindern oder den Blutfluss regulieren. Frauenmantel wird oft in Form von Tee oder auch als Sitzbad für den Unterleib verwendet.
Zudem wird Frauenmantel in der Naturheilkunde auch bei Kopfschmerzen, Durchfall oder Schlaflosigkeit eingesetzt. Äusserlich angewendet kann Frauenmantel bei Hautproblemen wie Geschwüren oder Ekzemen unterstützend wirken oder zur Wundheilung beitragen.
Kräuterpfarrer Johann Künzle schrieb: «Ferner ist Frauenmantel empfehlenswert bei Fieber und Brand infolge innerer Verletzungen, bei Entzündungen der Luftwege, der Augen und Zähne, bei Brüchen, Eiterungen und Geschwüren im Unterleib» (Künzle, 1947, S. 395).
Vorsicht
Zu viel und zu starker Tee kann zu Übelkeit führen und die Pflanze kann verstopfend wirken.
- Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.
Verwendung in der Küche
Frauenmantel ist zwar kein klassisches Küchenkraut, doch die jungen, noch eher hellen Blätter können vom Frühling bis in den Sommer in der Küche verwendet werden. Der Geschmack ist leicht bitter, herb, kohlrabi- bis gurkenartig. In kleinen Mengen und fein geschnitten eignen sie sich roh als Zutat für Salate, Salatsaucen, Smoothies, Kräuterquark oder Kräuterbutter.
Wenn man eine grössere Menge oder ausgewachsene Blätter verspeisen möchte, empfiehlt es sich, sie zu kochen beziehungsweise sie in ein heisses Gericht zu mischen. Die Blätter enthalten relativ viele Gerbstoffe, die ein pelziges Gefühl im Mund hinterlassen können. Durch das Kochen werden die Gerbstoffe herausgelöst und die Blätter werden gleichzeitig weicher gemacht. So lassen sie sich für Aufläufe, Bratlinge, Gemüsegerichte, Suppen oder für Füllungen jeglicher Art verwenden.
Die jungen, gelben Blüten und die Blütenstände kann man als essbare Dekoration nutzen oder zusammen mit einigen Blättern in eine erfrischende Kräuterlimonade geben.
Wissenswertes
Die Wassertropfen, die sich am Morgen auf den Blättern befinden, sind nicht nur Tau, sondern grösstenteils Wasser, das über die Wurzeln aufgenommen wurde und nachts über Öffnungen an den Blatträndern ausgeschieden wird (sogenannte Guttationstropfen).
Frauenmantel wächst an sonnigen bis halbschattigen Standorten auf frischen bis sumpfigen Wiesen oder Böschungen sowie auf kühleren Bergwiesen und blüht von Juni bis August.
Der ähnliche «Silbermantel» (Alchemilla alpina), der auch «Alpen-Frauenmantel» genannt wird, wird in der Naturheilkunde meist ähnlich eingesetzt wie der Gemeine Frauenmantel. Seine Blätter sind auf der Unterseite silbrig behaart, was ihm seinen Namen verleiht und er ist vermehrt in den höheren Lagen zu finden.
Frauenmantel wird bis zu 30 cm hoch. Die rundlichen, leicht behaarten Blätter sind handförmig gelappt und haben gezähnte Blattränder. In der Knospe sind die Blätter wie ein Fächer zusammengefaltet. Die Blüten sind nur wenige Millimeter gross, gelb-grünlich gefärbt, rispenartig angeordnet und besitzen keine Kronblätter.
Literaturverzeichis
Künzle, J. (1947). Das Grosse Kräuterheilbuch. Olten: Otto Walter AG.
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