Schwarzdorn
Prunus spinosa
Schlehe, Schlehdorn, Heckendorn, Sauerpflaume - Rosengewächse (Rosaceae)
Inhalte im Überblick
Verwendung in der Naturheilkunde
Der Schwarzdorn ist eine bekannte und vielseitig genutzte Pflanze in der Naturheilkunde und in der Volksmedizin. Vom Schwarzdorn werden vorwiegend die Blüten und die Früchte eingesetzt, aber auch die Blätter und die Rinde finden Anwendung. Pfarrer Künzle schrieb dazu: «Tee von Schlehenblüten oder von der Rinde oder den Blättern wirkt ausgezeichnet bei Kindern, die an Durchfall leiden» (Künzle, 1947, S. 464).
Die Früchte enthalten zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Antioxidantien, Mineralien und Gerbstoffe. Die Gerbstoffe entfalten eine zusammenziehende Wirkung, die beispielsweise dazu beitragen kann, Blutungen zu stillen und bei Durchfall sowie entzündlichen Erkrankungen im Mund- und Rachenraum Linderung zu verschaffen. Zudem wirken die Früchte mild harntreibend, wodurch sie bei Blasen- und Harnleiden Einsatz finden.
Auch die wohlriechenden Blüten haben ein breites Anwendungsgebiet. In Form von Tees werden sie in der Volksheilkunde vorbeugend gegen Nieren- und Blasensteine sowie bei Blasenkrämpfen eingesetzt. Auch zur Magenstärkung, zur Blutreinigung sowie zur Linderung bei Hautunreinheiten und Erkältungen kann der Tee getrunken werden.
- Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.
Verwendung in der Küche
Die Früchte des Schwarzdorns werden auch Schlehen genannt und können roh gegessen werden. Die Schlehen reifen etwa ab September, sind aber wegen des hohen Gerbstoffgehalts noch relativ sauer und entfalten ein zusammenziehendes Gefühl. Nach den ersten Frösten sind sie vollreif und erst dann zum Verzehr geeignet. Durch die Wirkung der Fröste wird ein Teil der Gerbstoffe abgebaut, wodurch die Früchte milder und süsser werden.
Wer nicht auf den ersten Frost warten möchte, kann die Früchte für eine Nacht im Tiefkühler aufbewahren. Danach eignen sie sich hervorragend für den frischen Verzehr oder die Verarbeitung zu Konfitüren, Chutneys, Likören, Säften, Smoothies oder Trockenfrüchten.
Aus den unreifen Schlehen kann man «Oliven des Nordens» herstellen. Dazu kocht man eine Salzlake mit Gewürzen wie Thymian, Rosmarin und Lorbeerblättern auf, lässt die Flüssigkeit etwas abkühlen und gibt sie dann zusammen mit den Schlehen in ein Gefäss. Das Gefäss deckt man anschliessend mit einem Teller ab, lässt das Gemisch für circa vier Wochen ziehen und fertig sind die leckeren Schlehenoliven. Die Steinkerne enthalten Blausäure und sollten daher nur mit Vorsicht verzehrt werden.
Die Blüten erscheinen von März bis April und sind mit ihrem Bittermandel-Aroma und dem schönen Aussehen ein weiteres wertvolles Sammelgut. Sie können zu Sirupen, Essigen und Likören verarbeitet werden oder jede Art von Desserts und Salaten bereichern.
Wissenswertes
Der Schlehenstrauch gehört zur gleichen Gattung wie die Pflaume und Zwetschge und wird wegen seiner schwarzen Rinde und seinen mit Dornen besetzten Zweigen Schwarzdorn genannt. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über Europa bis nach Westasien und er lässt sich oft an sonnigen Wegen und Waldrändern finden.
In Mitteleuropa ist der Schwarzdorn eines der ersten blühenden Obstgehölze. Bereits im März können die zarten Blüten gesammelt werden, die den Einzug des Frühlings signalisieren.
Neben seinen zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten für den Menschen spielt der Schwarzdorn auch eine wichtige Rolle im Ökosystem indem er zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere zählt. Er bietet unter anderem Lebensraum und Nahrungsquelle für verschiedenste Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge, Vögel und Mäuse.
Durch seinen dichten, dornig besetzten Wuchs ist er ein guter Schutz für Haus und Hof. Er bildet aus seinem dichten Wurzelsystem heraus massenweise Wurzelschösslinge, wodurch sich undurchdringliche kleine Wäldchen bilden können. Das kann als Heckenpflanze erwünscht sein, ist im Garten hingegen nicht empfehlenswert, da er sich unkontrolliert ausbreiten kann.
Der Wuchs ist stark verzweigt und knorrig. Die Triebe sind mit langen, spitzen Dornen versehen. Die Blätter sind klein, kurz gestielt und eiförmig, mit einem gesägten Blattrand. Die weissen Blüten bestehen aus fünf Kronblättern, sind ebenfalls kurz gestielt und tragen gelbe oder rötliche Staubbeutel. Die runde Frucht ist blauschwarz, bereift und enthält einen grossen Steinkern.
Literaturverzeichnis:
Künzle, J. (1947). Das Grosse Kräuterheilbuch. Olten: Otto Walter AG.
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