Granatapfelbaum

Punica granatum

Paradiesapfel, Apfel mit Körnern, Apfel der Aphrodite – Weiderichgewächs (Lythraceae/Lunicaceae)

Granatapfelbaum

Geschichtliches

Beim Apfel, den Adam und Eva im Paradies gegessen haben sollen, handelt es sich möglicherweise um den Granatapfel. Es verwundert deshalb nicht, dass sich zu diesem verholzenden Kleinbaum in mythologischen Sagen und religiösen Schriften zahlreiche Hinweise finden. Man hat in ägyptischen Schriften von 1500 v. Chr. Aufzeichnungen gefunden, dass die Früchte des Granatapfelbaums als Arznei gegen Bandwürmer verwendet worden sind. In der Antike den Gottheiten der Unterwelt zugeschrieben, mit Aphrodite, der Göttin der Schönheit, in Zusammenhang gebracht oder als Symbol der Fruchtbarkeit beschrieben: Der Granatapfelbaum wurde über die Jahrtausende sehr vielfältig gewürdigt. So soll z. B. mit dem Essen eines Granatapfels die Kinderlosigkeit bekämpft worden sein. Der erste König Israels, Saul, soll im Schatten eines Granatapfelbaumes Ruhe gesucht haben. Im Koran, wie auch in chinesischen Schriften wiederum finden sich zahlreiche Hinweise und Erwähnungen, – der Granatapfel als Symbol des Helden, der kriegerischen Kraft, der Unbesiegbarkeit, des Bluts und des Todes...

Botanik und Kultur

Die Vermehrung des Granatapfelbaumes erfolgt im Frühjahr durch Aussaat, wobei die Temperatur nicht unter 20 °C fallen sollte. Auch aus Stecklingen lässt sich dieser kleine Baum oder stachelige Strauch vermehren. Dies sollte aber am besten im Vorsommer gemacht werden, solange die Triebe noch nicht verholzt sind. Beheimatet im östlichen Mittelmeerraum bis zum Himalaja, verträgt dieser sommergrüne Strauch leider nur sehr kurzzeitige Minustemperaturen. Bei uns muss diese Nutzpflanze deshalb in Kübeln gehalten werden. Aus diesem Grund findet man in unseren Breitengraden hauptsächlich die Sorte Punica granatum var. nana, einen Zwergstrauch, der nur als Zierpflanze dient.

Beim Granatapfelbaum ist auf eine durchlässige Erde zu achten und Staunässe auf jeden Fall zu vermeiden. Damit sich die leuchtenden, scharlach-farbigen Blüten voll entwickeln können, ist ein sonniger Standort notwendig. Das Gehölz, mit seiner rotbraunen Rinde, kann gut zwei Jahrhundert alt werden.

In der Hauptwachstumszeit im Frühjahr sind die jungen Triebe anfällig gegen Blattläuse. Regelmässiges Überbrausen mit Brennnesselbrühe wird deshalb sehr empfohlen, allenfalls unter Beigabe von etwas Schmierseife.

Verwendung in der Naturheilkunde

Obwohl von uns Menschen seit Urzeiten genutzt, erlangte der Granatapfel in der westlichen Medizin lange Zeit keine grosse Bedeutung. Erst als ein Arzt indischer Herkunft «einem hohen britischen Offizier ein Gebräu aus dem Granatapfel gegen Parasiten verschrieben haben soll», wurden die gesundheitlich unterstützenden Wirkungen dieses Gehölzes auch in Europa erkannt.

Die Eigenschaften des Granatapfels werden als antiviral und wärmend beschrieben. Die Frucht hilft gegen chronischen Durchfall und tötet Darmparasiten ab. Von einer Selbstmedikation raten wir aber dringend ab. In einigen Ländern unterliegt die Verwendung – vor allem in Form von Rindenextrakten – gesetzlichen Einschränkungen.

Die ersten, erfolgversprechenden medizinischen Untersuchungen und Studien über die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe des Punica granatum bei Herz- und Kreislauferkrankungen, sowie zur Behandlung von Prostatakrebs stehen erst am Anfang und lassen wohl noch einige Zeit auf sich warten. Bereits heute wird aus den Früchten, den Schalen und der Rinde Farbstoff gewonnen.

  • Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.

Verwendung in der Küche

Die Früchte können als Bestandteil von (Frucht-)Salaten und Dessert frisch gegessen werden. Aus dem Saft der Früchte werden Gelees und erfrischende Sirupe hergestellt. Durch Vergärung des Saftes kann auch eine Art von Wein hergestellt werden. Vor allem im nahen Osten als süffiges Getränk bekannt, wird dieser Wein bei speziellen Anlässen serviert. In der orientalischen Küche wird das entkernte und gepresste Fruchtmark zur Verfeinerung von Pasten und Saucen, wie auch zu Geflügelgerichten verwendet.

Der Granatapfel – eine Frucht mit Potenzial, die in unseren Breitengraden erst nach und nach Einzug in die kreative Kochkunst hält.

Über die Autoren

Christian Fotsch

Christian Fotsch betreut seit 2006 inhaltlich den Kräuternewsletter der EGK-Gesundheitskasse. Er hat sich sein umfangreiches Kräuterwissen autodidaktisch angeeignet und zusammen mit seiner Frau Ursula die Kräuter- und Heilpflanzengärtnerei Silberdistel in Brienz (bis 2010) und bis 2019 das bekannte Kräuter-Hotel «Lindenhof», Brienz, geführt